Praxisübernahme Zahnarzt Leitfaden mit Checkliste und Ablauf


Veröffentlicht am: 12. August 2026

Die Praxisübernahme als Zahnarzt ist für viele der direkteste Weg in die eigene Selbstständigkeit. Statt bei null anzufangen, übernimmst du eine laufende Praxis mit Patienten, Team und Ausstattung. Genau das macht den Reiz aus, birgt aber auch Risiken, wenn du den Kaufpreis, die Verträge oder die stillen Baustellen falsch einschätzt.

Bei Dr. Dr. Martin Baxmann begleiten wir seit über 20 Jahren Zahnärzte und Kieferorthopäden auf genau diesem Weg. Aus dieser Erfahrung wissen wir, wo die typischen Stolpersteine liegen. In diesem Ratgeber bekommst du den kompletten Überblick von der ersten Praxissuche bis zur fertigen Übergabe, inklusive einer abhakbaren Checkliste.

Warum sich die Übernahme einer bestehenden Zahnarztpraxis oft mehr lohnt als eine Neugründung

Mit einer Praxisübernahme kaufst du nicht nur Stühle und Geräte, sondern einen funktionierenden Betrieb. Genau dieser Unterschied entscheidet in den ersten Monaten über deine Liquidität. Während eine übernommene Praxis vom ersten Tag an Umsatz macht, braucht eine Neugründung oft Jahre, bis sie wirtschaftlich trägt.

Trotzdem ist die Übernahme kein Selbstläufer. Sie passt zu dir, wenn du schnell in einen stabilen Betrieb einsteigen willst, ohne den langen Anlauf einer eigenen Gründung. Wo genau deine Vorteile liegen, zeigen die nächsten drei Punkte.

Ab Tag eins Umsatz durch einen etablierten Patientenstamm

Der größte Hebel einer bestehenden Praxis ist der Patientenstamm. Die Menschen kennen die Adresse, haben Vertrauen aufgebaut und kommen zu ihren Terminen. Dieser eingespielte Recall sichert dir planbare Einnahmen, während du dich in die Abläufe einarbeitest.

Wichtig ist, dass du die Bindung nicht überschätzt. Ein Teil der Patienten hing am alten Behandler, nicht an der Praxis. Kläre deshalb früh, wie hoch die Weiterempfehlungsquote ist und wie viele Fälle gerade in Behandlung stehen.

Eingespieltes Team und vorhandene Infrastruktur

Ein erfahrenes Team ist bares Geld wert. Die Mitarbeiterinnen kennen die Software, die Materiallieferanten und die Eigenheiten der Praxis. Dieses Wissen musst du bei einer Neugründung erst mühsam aufbauen.

Neben dem Team spart dir die vorhandene Ausstattung Zeit und Kapital. Behandlungseinheiten, Röntgentechnik und eingerichtete Räume sind bereits vorhanden und laufen. Prüfe dennoch den technischen Zustand, damit dich verdeckte Ersatzinvestitionen nicht kurz nach dem Kauf überraschen.

Wann eine Neugründung trotzdem die bessere Wahl ist

Nicht jede Praxis ist ein Gewinn. Liegt der Standort schlecht, ist die Technik veraltet oder passt das Behandlungsspektrum nicht zu dir, kann eine Praxisgründung als Zahnarzt sinnvoller sein. Dann gestaltest du alles von Anfang an nach deinen Vorstellungen.

Die ehrliche Abwägung gehört an den Anfang deiner Entscheidung. Rechne beide Wege durch, bevor du dich festlegst. Eine übernommene Praxis mit versteckten Problemen ist teurer als ein sauberer Neustart.

Wie der Ablauf einer Praxisübernahme Schritt für Schritt aussieht

Der Ablauf einer Praxisübernahme folgt einer festen Logik, auch wenn jeder Fall seine Eigenheiten hat. Wer die Reihenfolge kennt, verliert weniger Zeit und trifft ruhigere Entscheidungen. Von der ersten Idee bis zum Praxisschild dauert der Prozess meist sechs bis zwölf Monate.

Grob lässt sich der Weg in fünf Phasen gliedern, die aufeinander aufbauen.

  1. Praxissuche und Marktüberblick verschaffen
  2. Vorauswahl und erstes Kennenlernen des Abgebers
  3. Bewertung und Prüfung aller Unterlagen
  4. Finanzierung und Kaufvertrag verhandeln
  5. Übergabe und Start im eigenen Betrieb

Praxissuche und erste Vorauswahl

Am Anfang steht die Suche nach der passenden Praxis. Nutze Praxisbörsen, Depots, Kammern und dein eigenes Netzwerk, denn viele Abgaben laufen ohne öffentliches Inserat. Ein klares Profil deiner Wunschpraxis spart dir viele erfolglose Besichtigungen.

Bei der Vorauswahl geht es um die harten Fakten. Passen Standort, Größe, Behandlungsspektrum und Preisvorstellung grundsätzlich zu dir? Nur die Kandidaten, die diese Hürde nehmen, verdienen eine tiefere Prüfung.

Praxisbewertung und Due Diligence

Hat dich eine Praxis überzeugt, beginnt die genaue Prüfung. Während der Due Diligence prüfst du Betriebswirtschaftliche Auswertungen, Patientenzahlen, Verträge und den technischen Zustand. Hier trennt sich die attraktive Praxis von der schön gerechneten.

Zieh spätestens jetzt Fachleute hinzu, etwa einen auf Heilberufe spezialisierten Steuerberater. Fällt die Prüfung sauber aus, kannst du entdeckte Risiken im Kaufpreis oder im Vertrag berücksichtigen.

Finanzierung, Kaufvertrag und Übergabe

Steht der Wert fest, klärst du die Finanzierung und verhandelst den Kaufvertrag. Banken finanzieren Praxisübernahmen gern, weil der laufende Betrieb Sicherheit bietet. Ein belastbarer Businessplan ist dein stärkstes Argument im Bankgespräch.

Die Übergabe selbst solltest du nicht dem Zufall überlassen. Wenn dich der Abgeber in einer gemeinsamen Übergabephase vorstellt, erleichtert das den Wechsel für Patienten und Team enorm.

Womit du eine Zahnarztpraxis realistisch bewertest

Der Praxiswert ist der emotionalste Punkt jeder Verhandlung. Der Abgeber sieht sein Lebenswerk, du siehst eine Investition, die sich rechnen muss. Ein realistischer Wert setzt sich aus zwei Bausteinen zusammen, dem materiellen und dem immateriellen Anteil.

Substanzwert der materiellen Ausstattung

Der Substanzwert bildet den Zeitwert der Ausstattung ab. Behandlungseinheiten, Röntgengeräte, Möbel und Instrumente werden nach Alter und Zustand bewertet. Entscheidend ist der aktuelle Zeitwert, nicht der einstige Anschaffungspreis.

Lass dir die Wartungshistorie der Geräte zeigen. Fehlt einer zehn Jahre alten Einheit der Servicenachweis, ist das ein Risiko, das du beim Preis einkalkulieren solltest.

Goodwill als immaterieller Wert

Der Goodwill steht für den ideellen Wert der Praxis, also für Patientenstamm, Ruf und eingespielte Abläufe. Bei gut laufenden Praxen macht er häufig den größeren Teil des Kaufpreises aus. Berechnet wird er meist aus dem nachhaltig erzielbaren Gewinn, nicht aus dem Umsatz.

Prüfe, wie stark der Erfolg am abgebenden Behandler hängt. Je austauschbarer die Leistung wirkt, desto stabiler ist der Goodwill nach deinem Einstieg.

Die häufigsten Bewertungsfehler

In unserer Beratung sehen wir immer wieder dieselben Muster. Käufer verlieben sich in eine Praxis und blenden Warnsignale aus, oder sie akzeptieren einen Goodwill, der auf einem einzigen guten Jahr beruht. Ein überhöhter Kaufpreis drückt jahrelang auf deine Rendite.

Der zweite typische Fehler ist der Blick allein auf den Umsatz. Zwei Praxen mit gleichem Umsatz können völlig unterschiedliche Gewinne abwerfen. Schau deshalb immer auf das Ergebnis nach allen Kosten.

Mit welchen Kosten du bei der Praxisübernahme rechnen musst

Die Kosten einer Praxisübernahme hängen stark von Standort, Größe und Ausstattung ab. Der Kaufpreis ist dabei nur ein Teil der Rechnung. Wer die Nebenkosten unterschätzt, gerät schon vor der Eröffnung unter Druck.

Zur Orientierung dient dir die folgende Übersicht typischer Preisspannen:

Standorttyp Durchschnittlicher Kaufpreis Besonderheit
Großstadt über 100.000 Einwohner rund 475.000 Euro hohe Nachfrage, starker Wettbewerb
Ländliche Region rund 377.000 Euro oft günstiger, Nachfolgersuche schwieriger
Gesamtspanne je nach Umfang 300.000 bis über 1.000.000 Euro abhängig von Größe und Spezialisierung

Kaufpreis nach Standort und Praxisgröße

Wonach richtet sich der Kaufpreis? Vor allem nach Ertragskraft und Lage. In begehrten Ballungsräumen zahlst du deutlich mehr als auf dem Land. Eine teurere Großstadtpraxis kann sich trotzdem schneller rechnen, wenn die Auslastung stimmt.

Neben der Lage wirkt die Größe direkt auf den Preis. Mehrbehandlerpraxen mit mehreren Stühlen kosten mehr, bieten aber Skaleneffekte, die eine kleine Einzelpraxis nicht erreicht.

Nebenkosten Beratung, Notar und Umbau

Neben dem Kaufpreis fallen weitere Posten an, die du früh einplanen solltest. Dazu zählen Honorare für Steuerberatung und Rechtsberatung, Kosten für Gutachten sowie Gebühren für Notar und Zulassung. Diese Nebenkosten summieren sich schnell auf einen fünfstelligen Betrag.

Oft kommt ein Modernisierungsbedarf hinzu. Neue Software, frische Farbe oder eine zusätzliche Behandlungseinheit machen die Praxis zu deiner, kosten aber extra. Plane hier einen realistischen Puffer ein.

Finanzierung und das Gespräch mit der Bank

Aus eigener Tasche stemmen die wenigsten Käufer eine Übernahme. Banken und Förderinstitute bieten passende Finanzierungen, verlangen dafür aber einen überzeugenden Plan. Je klarer deine Zahlen, desto besser deine Konditionen.

Bereite dich auf das Bankgespräch wie auf eine Prüfung vor. Ein durchdachter Businessplan, realistische Umsatzprognosen und ein Nachweis deiner fachlichen Eignung öffnen dir die Türen zur Finanzierung.

Diese Verträge und rechtlichen Punkte solltest du genau prüfen

Rechtlich ist eine Praxisübernahme anspruchsvoll, denn hier passieren die teuersten Fehler. Sauber aufgesetzt, schützt dich der Vertrag vor Nachforderungen und Streit. Drei Bereiche verdienen deine besondere Aufmerksamkeit.

Der Praxisübernahmevertrag im Detail

Der Praxisübernahmevertrag regelt alle wirtschaftlichen und organisatorischen Fragen. Er legt fest, welche Vermögenswerte übergehen, wie hoch der Kaufpreis ist und wie Besitz und Risiko wechseln. Eine unklare Formulierung an dieser Stelle wird schnell zur Kostenfalle.

Achte auf Regelungen zu Gewährleistung, Wettbewerbsverbot des Abgebers und zur Behandlung laufender Fälle. Lass den Vertrag von einer auf Medizinrecht spezialisierten Kanzlei prüfen, bevor du unterschreibst.

Mietvertrag, Räume und Zulassung

Wackelt der Mietvertrag, nützt dir die schönste Praxis wenig. Kläre Laufzeit, Verlängerungsoptionen und mögliche Mieterhöhungen, denn die Räume sind dein wichtigster Standortfaktor. Ohne gesicherte Räume ist der ganze Kauf gefährdet.

Ebenso zentral ist die vertragsärztliche Zulassung. Bei einer Kassenpraxis läuft die Übernahme des Sitzes über ein Nachbesetzungsverfahren, das Zeit und Sorgfalt verlangt.

Personalübernahme nach Paragraf 613a BGB

Beim Kauf der Praxis übernimmst du das Personal in der Regel automatisch mit. Geregelt ist das in Paragraf 613a BGB, der die bestehenden Arbeitsverhältnisse mit allen Rechten und Pflichten auf dich überträgt. Du kannst die Mitarbeiter also nicht einfach wegen des Inhaberwechsels kündigen.

Verschaff dir deshalb früh einen Überblick über Verträge, Gehälter und Urlaubsansprüche. Ein gutes Gespräch mit dem Team vor der Übernahme schafft Vertrauen und verhindert Kündigungen im entscheidenden Moment.

Checkliste für deine Praxisübernahme Schritt für Schritt

Damit du den Überblick behältst, findest du hier eine kompakte Checkliste zur Praxisübernahme. Sie ist nach den drei Phasen vor, während und nach der Übernahme sortiert. Hak die Punkte nacheinander ab und du übersiehst keinen kritischen Schritt.

Vor der Übernahme prüfen

  • Standortanalyse durchführen und Einzugsgebiet bewerten
  • Betriebswirtschaftliche Auswertungen der letzten drei Jahre einsehen
  • Patientenstamm nach Zahl, Struktur und laufenden Fällen prüfen
  • Technischen Zustand von Geräten und Räumen begutachten lassen
  • Finanzierungsrahmen mit der Bank vorklären

Während der Verhandlung sichern

  • Praxiswert unabhängig prüfen statt dem Angebot zu vertrauen
  • Kaufvertrag rechtlich prüfen lassen
  • Mietvertrag auf Laufzeit und Konditionen kontrollieren
  • Zulassung und Nachbesetzung rechtzeitig beantragen
  • Wettbewerbsverbot für den Abgeber vereinbaren

Nach der Übergabe organisieren

  • Team in einem persönlichen Gespräch abholen und einbinden
  • Patienten über den Wechsel freundlich informieren
  • Abläufe behutsam anpassen statt alles sofort umzustellen
  • Marketing und Außenauftritt auf deinen Namen umstellen

Was bei der Übernahme einer kieferorthopädischen Praxis anders läuft

Für eine kieferorthopädische Praxis gelten eigene Regeln, die eine allgemeine Praxisübernahme nicht abbildet. Das liegt an den langen Behandlungszeiten und der besonderen Abrechnung. Wer eine KFO-Praxis übernimmt, muss diese Punkte von Anfang an mitdenken.

Laufende Behandlungsfälle sauber übernehmen

In der Kieferorthopädie ziehen sich Behandlungen über Jahre. Bei der Übernahme erbst du also viele Fälle, die mitten im Prozess stecken. Die vertragliche Regelung dieser laufenden Fälle ist der heikelste Punkt einer KFO-Übernahme.

Kläre genau, welche Leistungen schon abgerechnet wurden und welche noch offen sind. Nur so vermeidest du, dass du für bereits bezahlte Behandlungen weiterarbeitest.

Abrechnung und KZV-Zulassung in der KFO

Die kieferorthopädische Abrechnung ist komplexer als in der allgemeinen Zahnheilkunde. Ratenpläne, Eigenanteile und lange Behandlungsstrecken müssen sauber übergeben werden. Ein Fehler im Übergabezeitpunkt kostet dich hier bares Honorar.

Deine Aufmerksamkeit braucht außerdem die Zulassung. Prüfe früh, wie der KFO-Sitz übertragen wird und welche Fristen im Nachbesetzungsverfahren gelten.

Übergabe mit Weitblick statt Bauchgefühl

Gerade in der Kieferorthopädie entscheidet die Qualität der Übergabe über deinen Start. Ein strukturierter Übergang, bei dem der Abgeber dich in die Fälle einführt, sichert die Compliance der Patienten. Wir begleiten diesen Prozess in unserer KFO Praxisübergabe mit klaren Abläufen statt Bauchgefühl.

Ein durchdachtes System hinter der Praxis macht dich unabhängiger vom Zufall. Wenn du deine Übernahme fundiert planen willst, lohnt sich der Blick in eine begleitete Praxisübernahme Beratung, die genau auf kieferorthopädische Praxen zugeschnitten ist.

Häufige Fragen zur Praxisübernahme als Zahnarzt

Wie lange dauert eine Praxisübernahme im Schnitt?

Von der ersten Suche bis zur fertigen Übergabe vergehen meist sechs bis zwölf Monate. Die Dauer hängt davon ab, wie schnell du eine passende Praxis findest und wie zügig Finanzierung und Zulassung laufen. Plane lieber etwas mehr Zeit ein, damit du keine Entscheidung unter Druck triffst.

Wie viel Eigenkapital brauche ich für die Übernahme?

Banken erwarten in der Regel einen Eigenkapitalanteil von etwa zehn bis zwanzig Prozent des Gesamtvolumens. Je mehr du selbst einbringst, desto bessere Konditionen bekommst du. Entscheidend ist am Ende ein schlüssiger Finanzierungsplan, der auch die Nebenkosten abdeckt.

Übernehme ich das Personal automatisch mit?

Ja, beim Kauf einer laufenden Praxis gehen die Arbeitsverhältnisse nach Paragraf 613a BGB auf dich über. Du übernimmst die Mitarbeiter mit ihren bestehenden Rechten und kannst ihnen nicht allein wegen des Inhaberwechsels kündigen. Ein frühes Kennenlernen des Teams zahlt sich deshalb doppelt aus.

Lohnt sich Übernahme oder Neugründung mehr?

Das hängt von deiner Situation ab. Bei einer Übernahme hast du sofort Umsatz und ein eingespieltes Team, zahlst aber Goodwill und bindest dich an bestehende Strukturen. Gründest du dagegen neu, gewinnst du volle Gestaltungsfreiheit, brauchst jedoch einen langen Atem, bis die Praxis trägt.

Deine nächsten Schritte zur eigenen Praxis

Eine gute Vorbereitung entscheidet über den Erfolg deiner Übernahme. Prüfe Zahlen, Verträge und Standort mit kühlem Kopf, hol dir Fachleute an die Seite und triff keine Entscheidung aus dem Bauch heraus. Die Praxisübernahme als Zahnarzt ist kein Sprint, sondern ein Projekt mit klaren Etappen.

Wenn du deinen eigenen Weg fundiert planen möchtest, unterstützen wir dich mit Erfahrung aus über 20 Jahren Praxis und Training. Melde dich für ein kostenloses Planungsgespräch und wir schauen gemeinsam, ob die Praxis vor dir wirklich zu dir passt.

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